|
7 Tage – 7 Nächte 857 Km / 16818 Hm 35:46.56 h:m.s Im August 2007 bin ich den Ötztaler gefahren und war der Meinung, das war der ultimative Kick, aber es gibt noch andere Herausforderungen im Radsport für Jedermann z. b. die Jeantex Tour Transalp. Eigentlich hatte ich nicht vor diese Tour zu fahren, aber gute Freunde haben viel Propaganda (Film usw.) gemacht, also gut. Dann habe ich versucht über das Internet noch einen Startplatz zu bekommen und sie siehe da, schon war ich dabei. Eine Vorbereitung wie 2007 habe ich eigentlich nicht gemacht, da ich diese Tour auf Grund der täglich gefahrenen Kilometer von 90 – 154 Km für nicht so schwierig hielt. Als letzten Leistungstest bin ich 2 Wochen davor den Dreiländergiro und eine Woche davor die Albextrem gefahren. Manche Eindrücke verschwimmen mit der Zeit und man kann sich nicht mehr an jede Steigung erinnern, da viele Anstiege mehr oder weniger gleich sind. Ausnahme unter anderem der Valparolo. 1.Tag:Von Oberammergau nach Sölden (140 Km/2440 Hm) Am Start stieg langsam die Nervosität, aber am Vorabend beim Briefing ist ja gesagt worden, neutralisierter Start aus Oberammergau. Von wegen, ich habe meinen Teampartner am Startstrich schon verloren, weg war er und der Rest des Feldes in wilder Hatz raus aus Oberammergau. Also nichts wie hinterher. Die ersten Kilometer in wilder Fahrt vorbei am Schloss Linderhof über den Ammersattel vorbei am Plansee nach Reutte und endlich das Hahntennjoch. Der Ruf ist schlimmer als die Wirklichkeit. Unten etwas steil dann flacher, teilweise abschüssig und dann wieder steiler, es gibt schlimmere Anstiege. Aber der Regen (eimerweise) der kurz vor der Verpflegungsstelle einsetzte hätte nicht sein müssen, denn es geht ja wieder runter. Aber auf der Abfahrt nach Imst war es wieder trocken. Von Imst in einer Gruppe Richtung Ötztal. In Roppen rechts ab um noch ein paar 12% Steigungen im Wald mitzunehmen, wäre ja zu einfach. Nach der 2 . Verpflegung in Sautens wieder auf die Straße nach Sölden (ca. 30 Km). Gegenwind, jetzt eine geeignete Gruppe aufgesammelt, Windschattenfahren ist jetzt sehr wichtig, es hat teilweise recht gut funktioniert. Kurz vor Einsetzen des nächsten Regenschauers bin ich wohlbehalten in Sölden angekommen. Was nicht jeder sagen konnte an diesem Tag, ich habe 4 Unfälle, einer davon schwer, gesehen. 2.Tag: Von Sölden nach Brixen (124 km / 3216 Hm) Was für ein Tag ca. 10° C und Regen (Schei...). Vor dem Start habe ich noch in einer Apotheke in Sölden Desinfektionshandschuhe, als Nässeschutz, gekauft und über meine Radhandschuhe gezogen. Ab 8:30 Uhr langsam Aufstellung genommen und es regnet immer noch leicht, aber beständig. Start 9 Uhr kein Gedanke mehr an Regen u.ä. nur noch Konzentration.
Die Auffahrt zum Timmelsjoch, teilweise regnet es sehr heftig und es ist nebelig, im oberen Bereich auch kleine Schneefelder neben der Straße. Auf dem Timmelsjoch (ca.5° C) eine Verpflegungsstation mit warmen Getränken. Abfahrt nach St. Leonhard (ca. 30 km) es regnet immer noch und es ist Nebel, mit Sichtweiten bis ca. 50 m. Irgendwann in der Abfahrt meldet sich die Kälte, es ist schei.. Kalt. So etwas habe ich noch nicht gemacht und es kommt die Frage auf: Warum mache ich das eigentlich? Egal weiter, bald unten. Endlich: St. Leonhard und der Aufstieg zum Jaufenpass, es regnet immer noch, aber endlich wieder Bewegung und hoffentlich warm werden beim kurbeln. Beim Anstieg zum Jaufen eine Verpflegungsstation und immer noch Regen. Irgendwann bin ich auf dem Jaufen( Regen+Nebel). Etwas Essen und Trinken und wieder abwärts (es wird wieder kalt). Auf meinem Tacho habe ich zum ersten mal nur die Temperaturskala im Display. Oben sind es ca. 6° C, aber es wird nach unten hin etwas wärmer und es hört auf zu regnen. In Sterzing haben wir 17° C. Es gibt einen kurzen Regenschauer, ein Radler stöhnt, nicht schon wieder Regen, daraufhin ein anderer, aber wenigstens warm. Ab Sterzing die Brennerbundesstraße Richtung Brixen. Brixen schon vor uns (ca. 15 Km) geht es in Franzensfeste links ab über teilweise 12 bis 14% tige kurze Steigungen nach Brixen. Wir kommen von links oben nach Brixen herunter. Auf dem Marktplatz in Brixen herrlicher Sonnenschein und die Strapazen sind teilweise schon vergessen. 3.Tag Von Brixen nach St. Vigil (90,6 Km / 3180 Hm) Die Temperaturen sind gut zum Radfahren. Vom Start weg geht es aufwärts Richtung Würzjoch. Meiner Ansicht nach kein schöner Pass, es geht aufwärts und abwärts. Hallo, ich will nur nach oben. Aber ich will mich nicht beschweren, es regnet nicht und es ist warm. Vom Würzjoch runter Richtung Zwischenwasser, hinter Zwischenwasser geht es links in einen Wald hinein, bis zu 12% Steigungen. Während der Anfahrt zum Furkelpass habe ich manchmal das Gefühl, ich fahre bei uns in der Gegend, über Wiesen und Waldwege. Dann endlich wieder Straße , die Auffahrt zum Furkelpass. Dieser Berg ist unharmonisch bis zu 19% Steigung. Aber auch dieser Pass wurde bezwungen. Irgendwo hier oben soll es zum Kronplatz raufgehen, ich habe aber keine Zeit zum schauen es geht nur noch abwärts Richtung St. Vigil. Super Wetter! 4.Tag Von St. Vigil nach Sexten (130 Km/ 3190 Hm) Neutralisierter Start (abwärts) bis Zwischenwasser (mit ca. 50 Km/h)?! |
|
Danach
Auffahrt zum Passo Valparolo. Mit ca. 8 - 9% eine schöne Auffahrt und
herrliche Aussicht auf die Dolomiten. Es kommt endlich ein leichtes
Glücksgefühl auf, aber es muss weiter gehen. Vom Valparola runter auf den
Falzarego Richtung Cortina d' Ampezzo. Eine herrliche Straße zum abwärts
fahren. Zum Passo Tre Croci führt eine zwar steile, aber landschaftlich
recht unscheinbare Straße |
|
| Erst im oberen Bereich kommt man aus dem Wald. Danach abwärts, Gegenhügel Lago di Misurina, danach abwärts (Vollgas) bis Toblach. In Toblach am Heizkraftwerk vorbei auf einem Schotterweg ca. 100m. Ab Innichen wieder auf der Straße. Ich werde von einem Zug eingeholt und hänge mich mit rein. Es geht mit Volldampf Richtung Sexten. In Sexten Verkehrsstau (Autoschlange rechts und links) von hinten brüllt einer,. durch die Mitte. Wir, ein Pulk von ca. 20 Fahrern, mit ca. 35 – 40 km/h ab durch die Mitte. Noch ca. 4-5 Km bis zum Ziel. Bin ich eigentlich bekloppt? Aber es gibt keine Chance mehr aus dem Pulk raus zu kommen, Konzentration und ab. Ziel, geschafft, Adrenalin runter fahren. | |
|
5.Tag Von Sexten nach Falcade (128 Km / 3133 Hm) Sonniges Wetter und ringsherum die hohen Gipfel der Dolomiten, was für ein Panorama. Aber heute steht die sogenannte Königsetappe an. Startschuß pünktlich 9 Uhr. Der Kreuzbergpass wird in einem großen Pulk genommen ca. 5-6% Steigung. Den zweiten Pass, den Passo San Antonio habe ich nicht bemerkt (ca.450Hm) bzw. nicht groß wahrgenommen. Danach gab es ein ca. 30 km langes Flachstück teilweise an einem großen See entlang. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Gruppe. Die einen weit voraus und von hinten nichts zu sehen bzw. einzelne Fahrer. Passo Cibiana (762Hm), es ist ein Straße wie jede andere, unten fährt man im Wald bei ca. 9-10% man sieht nichts, tritt einfach nur und irgendwann ist man oben. Am Passo Staulanza (8-10%, 823Hm) wird man erst im oberen Bereich mit einem herrlichen Ausblick belohnt. Die Abfahrt vom Staulanza ist unproblematisch es geht ca. 25 Km bis Cencenighe. Mittlerweile sind wir eine Gruppe von ca.15 Fahrern. Heute merke ich wieder, das es bei mir immer besser läuft, wenn die Etappen länger werden, denn ich überhole Mitfahrer zum Schluss, die am Morgen auf und davon gefahren sind. Die letzten 9 Km geht es mit 5-7% Steigung nach Falcade am Anfang durch einen großen Straßentunnel, so etwas geht nur in Italien. Es läuft gut bei mir, bis auf einen sind alle meine Begleiter zurück gefallen. Unterwegs sehe ich wieder „TÄVE“ (Trikot Täves Radladen) und feuere ihn mit Täve, Täve an. Er sieht aber leicht geplättet aus. Endlich Ziel. Was Trinken, Essen und ab ins Camp.
|
|
|
6.Tag Von Falcade nach Feltre ( 115 Km / 3239 Hm)
|
|
|
Nach dem Start gleich hinauf zum Passo Valles. Es ist ein Anstieg im Wald unten wieder nur Bäume. Zeit um in seinen Körper rein zu hören,“ Na geht’s noch, wie fühlst du dich?“. Wieder, erst im oberen Bereich, tritt der Wald zurück und man sieht die Landschaft. Danach eine kleine Abfahrt (ca. 400Hm) und der Anstieg zum Passo Rolle. Es ist ein sanfter Anstieg mit ca.6%. |
![]() |
|
Die Abfahrt ist teilweise sehr schön (schnell). Danach geht es auf den Passo Cereda, den letzten Pass der Tour. |
|
|
|
|
|
Aber gleich am Anfang zwei böse Überraschungen die Straße ist zwar breit aber 2 unbeleuchtete Tunnel und von oben tropft Wasser herunter. Später stellte sich heraus, es war nicht einfach nur Wasser, mein Trikot ist seit dem versaut, wir bekommen die braunen Flecke nicht mehr raus, aber das war in diesem Moment egal, Hauptsache nicht allein fahren und so geht es mit Speed Richtung Feltre. Es geht überraschender Weise sehr gut. Unsere Gruppe hat unterwegs noch einige Fahrer aufgesammelt, so komme ich mit einer recht großen Gruppe in Feltre an. Einige müssen trotzdem sprinten als ob es um den Sieg geht!? Morgen ist der letzte Tag flach nach Bibione und ich werde die Tour gemütlich ausrollen lassen, keine Hatz im Pulk!? |
|
|
7.Tag Von Feltre nach Bibione (154 Km / 446 Hm) Was für ein herrlicher Tag!! Mein Teampartner und ich machen noch vor dem Start eine Altstadt Besichtigung mit dem Rad. Danach zum Startraum und Aufstellung nehmen und Bilder machen. Der Start erfolgt heute in einem zeitlichen Abstand von ca. 5 Minuten. D.h. für mich 10 Minuten warten. In diesen 10 Minuten habe ich wahrscheinlich mein Vorhaben für diese Etappe vergessen, siehe letzter Satz vom Vortag (gemütlich, ausrollen). Es geht los durch die Altstadt über Kopfsteinpflaster, fahren nach Gefühl volle Konzentration und endlich raus aus dem Ort auf die Landstraße, aber es wird nicht gemütlich, es geht leicht bergab. Ich habe teilweise nicht mal Zeit um auf mein Tacho zu schauen, so sehr muss man auf das Fahrerfeld achten. Es rollen Trinkflaschen durchs Feld, es gibt Kreisverkehre und Deppen die durchs Feld pflügen, von links nach rechts oder umgekehrt. Nach einem Kreisel ein lautes Scheppern und Schreien hinter mir, bloß nicht umdrehen, Konzentration. Die erste Rast erreichen wir nach ca. 55 Minuten bei Kilometer 40. Unterwegs habe ich meinem Teampartner schon gesagt, dass ich stehen bleiben werde, um das Feld ziehen zu lassen und um ruhiger fahren zu können. An der Verpflegungsstelle bleiben nur ca. 10 Fahrer stehen, der Rest rast weiter ohne Verpflegung auf zu nehmen. Flasche aufgefüllt, Riegel genommen und weiter geht’s, gegessen wird beim Fahren. Aber es ist jetzt ruhiger, ca. 3 Km lang. Da rauscht auch schon die nächste Gruppe von hinten ran. Was soll's häng dich mit ran, vielleicht wird es ja ruhiger?! Von wegen, es geht weiter. Die Bremshügel am Ortseingang und Ortsausgang werden mit ca. 35 – 40 Km/h übersprungen, es darf bloß niemand stürzen. Es ist 11:05 Uhr, die 2. Verpflegungstelle bei Km 82, was für eine Schweinehatz bis hier- her. Ich laß die Gruppe wieder ziehen, es ist mir zu stressig. Jetzt fahre ich ca. 10 bis 15 Km alleine, bis eine kleinere Gruppe von ca. 20 Fahrern mich einholt. Ich hänge mich mit an, Bibione ist weit und alleine fahren macht nicht wirklich Spaß. Die Gruppe fährt recht gut, bloß die drei Mixed Teams stören die Harmonie. Die Herren schieben ihre Partnerinnen nach vorn, wollen aber keine Führungsarbeit übernehmen. Bei Kilometer 125 gibt es noch mal Wasser, es ist heiß heute. Einige fahren weiter, aber kurz danach sind wir wieder zusammen. Bei dieser Wärme fährt es sich im Pulk besser. Der Straßenbelag ist stellenweise sehr rauh und erinnert dabei eher an Kopfsteinpflaster als an Asphalt. An einer dieser „Kopfsteinpflasterpassagen“ reicht es mir, es sind noch ca. 15 Kilometer bis nach Bibione. Die Gruppe fährt nur noch 27 Km/h und die Mixed Teams wollen noch immer nicht führen. Also großes Kettenblatt und mit 35 Km/h über dieses „Kopfsteinpflaster“ gewuchtet. Am Anfang war ich verwundert, das niemand mitkommt. Egal, treten was die Lunge her gibt. Nach ein paar Kilometern haben 2 Jungs zu mir aufgeschlossen. Sie haben sich kurz in meinem Windschatten von dem Sprint ausgeruht, um danach mit mir zusammen das Tempo auf über 35 – 40 km/h hoch zuhalten. Es ist warm und „topfeben“ , wo ist Bibione? Endlich sind wir von diesen asphaltierten Feldwegen runter. Wir fahren jetzt auf einer großen Straße. Die eine Hälfte ist für uns abgesperrt . In Deutschland nicht denkbar. Lt. Tacho müssen es noch ca. 3 Kilomter bis zum Ziel sein. Jetzt kommen endlich Häuser in Sicht, es geht durch Bibione Richtung Strand. |
|
| Durch Zufall sehe ich meinen
Teampartner am Straßenrand und rufe nach ihm. Wir wollen gemeinsam durch das
Ziel fahren wegen dem Zielfoto. Mit erhobenen Armen fahren wir über den
Zielstrich.
Ich habe einen Schnitt von 37 Km/h auf meinem Tacho. Ich kann es nicht fassen Geschafft, glücklich und zufrieden. Die Anstrengungen der letzten Woche sind schon so gut wie vergessen. Es war eine schöne, ereignisreiche, aber auch teilweise sehr schwierige Tour. Übrigens, das älteste Team war 71 und 76 Jahre alt und ist in Bibione angekommen. Das hat mir gezeigt, das Rennradsport mit 60 noch nicht zu Ende ist. |
![]() |
|
|
|